Spotlight: Elisabet Torggler

Elisabet Torggler ist Leiterin der Bibliothek am Institut für Höhere Studien. Sie erzählt im Interview, wie Digitalisierung ihre Arbeit beeinflusst und welche Aufgaben sie in der Zukunft begleiten werden.


Als du 2005 an das IHS gekommen bist, warst du als administrative Unterstützung der Abteilung Politikwissenschaften tätig. Wie bist du zu deiner jetzigen Aufgabe als Leiterin der Bibliothek gekommen?

Bevor ich an das IHS gekommen bin, habe ich in der Bibliothek des Jüdischen Museums in Wien gearbeitet. Und ich bin Geisteswissenschafterin durch und durch. Ich habe schon immer gerne und viel gelesen. Deswegen war mir klar, ich möchte im akademischen Bereich arbeiten. Als ich dann die Möglichkeit hatte, am IHS die Leitung der Bibliothek zu übernehmen, wusste ich sofort: Das ist das Richtige.

Seit 2010 bist du Leiterin der Bibliothek am IHS, wie würdest du deine Arbeit einer Person beschreiben, die noch nie mit dem Institut zu tun hatte?

Wir sind eine Schnittstelle zur Forschung und nach außen. Dabei gibt es den, ich nenne ihn mal, physischen Teil der Bibliothek. Mein Team und ich kümmern uns dort um den Verleih von Büchern, Fachzeitschriften etc., Neuanschaffungen und auch um die korrekte Archivierung und Katalogisierung. Und dann gibt es die Verwaltung unseres eigenen Repositoriums IRIHS und von E-Ressourcen. Dazu braucht es viel Arbeit im Hintergrund, besonders weil sich durch die Digitalisierung die Bedürfnisse ändern. Daher bieten wir auch vermehrt Service-Leistungen, wie etwa bibliometrische Analysen oder Beratung zu Urheberrecht oder Verlagswesen, an.

Du hast den Einfluss der Digitalisierung auf deine Arbeit angesprochen, kannst du das bitte näher erklären.

Als ich die Leitung der Bibliothek 2010 übernommen habe, hatten wir 700 Journals, die als E-Ressource zur Verfügung gestanden sind. Jetzt sind wir bei über 7000 Journals, Tendenz steigend. Allein diese Zahl zeigt, dass der Aufwand für die technische Verwaltung stark gestiegen ist. Was ich vorhin mit Arbeit im Hintergrund angesprochen habe, ist zum Beispiel die Beschaffung und Verwaltung dieser Medien. Wir sind Mitglied der Kooperation E-Medien, bei der sich wissenschaftliche österreichische Bibliotheken zusammengeschlossen haben. So ist es auch für uns als vergleichsweise kleine wissenschaftliche Bibliothek möglich, eine große und diverse Auswahl an E-Ressourcen anzubieten.

Wie wichtig ist diese bibliothekenübergreifende Zusammenarbeit?

Für mich ist der Austausch mit Kolleg:innen sehr wichtig. So gewinne ich unterschiedliche Perspektiven und profitiere von den Eindrücken aus anderen Forschungseinrichtungen. Außerdem ist es für die Ressourcenbeschaffung hilfreich, nicht als einzelne Bibliothek aufzutreten, sondern im Verbund. Und manchmal ergeben sich daraus auch weitere Projekte.

Kannst du uns von so einem Projekt erzählen?

Gemeinsam mit Kolleg:innen von der Wirtschaftsuniversität Wien, der Anton Bruckner Universität und der Universität Wien gebe ich nächstes Jahr ein Handbuch zum Thema Repositorium-Management heraus.

Das Wort Repositorium ist jetzt schon zweimal gefallen, kannst du bitte kurz erklären, was es bedeutet?

Also am IHS heißt das Repositorium IRIHS. Wir haben es seit 2014, um nach innen und nach außen einen einheitlichen „Ort“ zur Ablage von wissenschaftlichen Publikationen von Forschenden des Instituts anbieten zu können. Die Inhalte sind natürlich rein digital.

Das IRIHS ist damit auch eine direkte Schnittstelle nach innen zu den Forschenden und gleichzeitig nach außen. Was bedeutet das für eure Arbeit?

Für uns ist es wichtig, die Arbeit, also die Publikationen, der Wissenschafter:innen bestmöglich nach außen zu präsentieren. Nach außen ist es heutzutage unumgänglich, die Publikationen möglichst leicht auffindbar zu machen. Also mit umfangreichen Daten und Informationen auszustatten, wie etwa einem DOI oder einer nachverfolgbaren URL-Adresse. So können Rankings in Suchmaschinen positiv beeinflusst werden. Das ist auch ein Thema, auf das wir einen noch stärkeren Fokus legen werden in Zukunft.

Welche Punkte sind für deine Arbeit in Zukunft noch wichtig?

Ich habe jetzt öfters die Digitalisierung als treibenden Faktor für Veränderung angesprochen, aber natürlich ändert sich unsere Arbeit auch mit der Wissenschaft. Die Veröffentlichung von Publikationen passiert heute häufig im Wege des Open Access. Ein Open-Access-Fonds für die Kosten der Veröffentlichungen gibt es bereits, und eine eigene Policy dazu steht sehr weit oben auf der To-Do-Liste.

Wie du eben schon angesprochen hast, ist Digitalisierung nicht der einzige Faktor, der dazu beiträgt, dass sich dein Berufsalltag ändert. Du bist seit 2005 am IHS und hast damit auch einen Umzug und einen internen Umbau, Stichwort Scholar:innen, des Instituts miterlebt. Welche Veränderungen hat das mit sich gezogen?

Dass keine Scholar:innen mehr am Haus sind, ist für mich in meiner Position mehr ein atmosphärischer Wechsel. An meiner Arbeit an sich hat dadurch wenig geändert. Der Umzug ins Palais Strozzi hingegen war eine größere Herausforderung. Mein Team und ich mussten nicht nur alle Bücher und Fachzeitschriften für den Umzug verpacken, sondern haben sie in diesem Zuge gleich neu geordnet und aussortiert. Beispielsweise sind wir die einzige Bibliothek, die ein bestimmtes albanisches Magazin im Bestand hat. Ein solche Zeitschrift muss natürlich mit. Andere wiederum nicht. Diese umfangreiche Recherche mit der fast zeitgleichen Einführung eines neuen Katalogisierungssystems war anspruchsvoll. Außerdem war es mir auch wichtig, dass wir einen neuen, schönen Lesesaal bekommen, in dem sich die Mitarbeiter:innen wohlfühlen können. Denn nur dann wird er auch gerne genutzt.

Der Lesesaal ist nicht nur den IHS-Mitarbeiter:innen bekannt, sondern auch ein beliebter Interviewort und damit im Fernsehen zu sehen.

Ja, das stimmt! Und darüber sind wir froh. Die Bibliothek als dieser stille Ort ist nicht mehr zeitgemäß. Natürlich gibt es noch Kolleg:innen, die etwa regelmäßig kommen und aktuelle Zeitschriften und Zeitungen lesen, aber genauso gibt es Gruppenarbeiten.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Glaskugel: Wie siehst du die Zukunft des physischen Buches?

Ich habe dazu vor kurzem etwas sehr Spannendes gelesen. Ich glaube nicht unbedingt an ein Ende des Buches, aber es zeigt sich ein starker Trend weg vom Lesen hin zum Hören.

Danke für das Gespräch!