Zahl des Monats: 17

Erstmals in Österreich wurden die Bildungswege einer Schüler:innengeneration über 17 Jahre hinweg untersucht.

Auf Grundlage der Daten von rund 85.500 Individuen zeigt die aktuelle IHS Studie, wie sich Ungleichheiten über mehrere Bildungsstufen hinweg verstärken.

Ein Faktor sticht dabei besonders hervor: die Bildung der Eltern. Mit 16 Jahren besuchen Kinder höher gebildeter Eltern etwa dreieinhalbmal so häufig eine Schule mit Matura wie Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss. Mit 22 Jahren befinden sie sich etwa fünfeinhalbmal so häufig in einer Hochschulausbildung.

Außerdem erweist sich die soziale Herkunft als entscheidender als der Migrationshintergrund. Trotz bekannter Unterschiede ist der häufigste Bildungsweg bei jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund derselbe: Er führt von der Volksschule über Unter- und Oberstufe der AHS an eine Hochschule.

Diese Ergebnisse verweisen auf mehr als individuelle Entscheidungen. Wenn ein großer Teil des Lernens außerhalb der Schule stattfindet, prägen die zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten sowie die Bildungserfahrung der Familien, welche Unterstützung Kinder erhalten. Der Ausbau von Ganztagsschulen könnte die Abhängigkeit schulischen Erfolgs von elterlichen Ressourcen reduzieren und würde den Benachteiligsten am meisten helfen. Der Blick über 17 Jahre macht deutlich: Bildungsungleichheit entsteht nicht an einem einzelnen Übergang. Sie baut sich über die Zeit auf.


Mario Steiner
IHS Researcher
Bildungsstrukturen und Bildungschancen


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