Das war der Wiener Töchtertag 2026 am IHS

Am 23. April 2026 beteiligte sich das Institut für Höhere Studien am Wiener Töchtertag und öffnete seine Türen für insgesamt 34 Teilnehmerinnen im Alter von 11 bis 17 Jahren.

Ein Rückblick mit Petra Hirzer

Organisiert wurde der Tag von einem Team bestehend aus Petra Hirzer, Stephanie Egghart und Clara Wimmer. Im Gespräch hat Petra Hirzer stellvertretend für das Organisationsteam Einblicke gegeben in Konzeption, Umsetzung und den Tag selbst.

Der Wiener Töchtertag soll Mädchen und jungen Frauen Einblicke in Berufsfelder geben, die häufig noch als männlich geprägt gelten. Was hat euch motiviert teilzunehmen?

Zunächst war es uns wichtig, den Teilnehmerinnen einen möglichst niederschwelligen Zugang zur wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschung zu ermöglichen. Dabei ging es uns nicht nur darum, Einblicke zu geben, sondern auch darum, Interesse zu wecken und möglichen Berührungsängste entgegenzuwirken. Wir wollten zeigen, wer hinter der Forschung steht. Daher lag auch ein besonderer Fokus auf der Sichtbarkeit unserer Forscherinnen und dem Abbau von Stereotypen rund um den Beruf „Wissenschaftlerin“. Die Teilnehmerinnen sollten erleben, dass auch sie in diesen – oft noch männerdominierten – Bereichen aktiv werden können.

Wie habt ihr diese Idee umgesetzt?

Mit dieser Zielsetzung im Hinterkopf wollten wir ein Veranstaltungsformat, das informativ, interaktiv und gleichzeitig spannend für die Teilnehmerinnen ist. Daraus entstand die Idee einer Rätselrallye, bei der das spielerische Lösen von Aufgaben im Zentrum steht. Wir haben im Team mit Vertreter:innen aus Forschung und Verwaltung ein Rätselheft mit insgesamt zehn Stationen und unterschiedlichen Spielmechaniken ausgearbeitet. So konnten die Mädchen auf aktive und selbstständige Weise die verschiedenen Arbeitsbereiche des IHS kennenlernen.

Die Forschungsbereiche des Instituts umfassen sechs politische Felder, die insgesamt von sieben Forschungseinheiten und zwei Nachwuchsforschungsgruppen bearbeitet werden. Wie habt ihr es geschafft, diese Bandbreite darzustellen?

Das war eine Herausforderung. Es ging nämlich nicht nur darum, diese einzelnen Bereiche herauszuarbeiten, sondern auch, wie sie am Institut zusammenfinden und das IHS ausmachen. Darum standen am Anfang zwei Elemente im Mittelpunkt: Ein klassisches Kreuzworträtsel sollte zunächst die thematische Vielfalt der Forschungsbereiche abbilden. Für ein Quote-on-Quote-Rätsel wurden Videobotschaften unserer Wissenschaftlerinnen im Vorfeld aufgenommen. Diese waren dann über QR-Codes abzurufen und im Rätselheft abgebildete Zitate mussten richtig zugeordnet werden. Damit wollten wir sowohl die Bandbreite der Inhalte als auch die Personen dahinter sichtbar machen. Die restlichen Rätsel waren dann den IHS-Politikfeldern und aktuellen Schwerpunkten der Forschungseinheiten gewidmet.

Wie ist es euch gelungen, komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich zu vermitteln?

Das Format orientiert sich am Ansatz des Game-based Learning. Das heißt die Teilnehmenden setzen sich spielerisch und selbstständig mit Themen auseinander. Wir haben Inhalte bewusst nicht stark vereinfacht. Stattdessen haben wir darauf gesetzt, den Teilnehmerinnen auch komplexere Themen zuzutrauen und ihnen Raum zu geben, sich auf ihrem jeweiligen Niveau damit auseinanderzusetzen. Ein Teil jeder Rätselstation konnte selbstständig gelöst werden. Der andere Teil war so gestaltet, dass die Teilnehmerinnen ihn nur im Austausch mit Expert:innen lösen konnten. Hier kamen dann auch unsere Wissenschaftlerinnen persönlich ins Spiel.

Wie waren die Forscher:innen an dem Tag beteiligt?

Viele der Büros unserer Kolleg:innen wurden zu zentralen Rätselstationen. Unter dem Motto „Knock on my door and talk to me“ wurden die Teilnehmerinnen ermutigt, aktiv auf die Wissenschaftlerinnen zuzugehen. Sie konnten Fragen stellen und direkte Einblicke in deren Arbeit gewinnen. Dadurch entstand ein persönlicher Zugang zur Forschung, das war uns unglaublich wichtig. Und natürlich konnten die Teilnehmerinnen so auch ihre Antworten überprüfen und sich Tipps für die Lösungswörter abholen. Durch den Spaß am gemeinsamen Rätseln konnte Wissenschaft als etwas erlebt werden, das auch Freude machen kann.

Gab es dabei besondere Herausforderungen in der Umsetzung?

Ja, die heterogene Altersstruktur der Teilnehmerinnen. Wir haben bewusst darauf verzichtet, eine Altersgrenze festzulegen. So konnten auch jüngere Teilnehmerinnen, etwa Töchter von Mitarbeiterinnen, mitmachen. Die jüngste Teilnehmerin war 11 Jahre alt und die älteste 17. Diese Altersspanne hat einen flexiblen didaktischen Zugang von allen Beteiligten erfordert, sowohl in der Planungs- als auch in der Umsetzungsphase. Besonders schön zu sehen war es, wie dieser Ansatz unter den Teilnehmenden selbst gelebt wurde. Eine Gruppe jüngerer Mädchen beispielsweise hat zuerst mich für eine Aufgabe um Hilfe gebeten und dann sind zwei ältere Teilnehmerinnen eingesprungen und haben es mit ihnen gemeinsam gelöst.

Welche Eindrücke sind in Erinnerung geblieben?

Viele Teilnehmerinnen – unabhängig vom Alter – haben ein hohes Maß an Selbstständigkeit gezeigt. Sie wollten die Aufgaben bewusst eigenständig lösen. Auf die Frage, ob sie Unterstützung benötigen, kam häufig die Antwort: „Nein, wir schaffen das.“ Und abseits von dem inhaltlichen Austausch haben sich in den Gesprächen zwischendurch auch Einblicke in ihre Lebensrealität ergeben. Themen wie Catcalling, stereotype Rollenbilder oder unterschiedliche Wahrnehmungen von Geschlechterungleichheit wurden offen angesprochen. Das hat uns auch gezeigt, wie wichtig solche Formate sind - nicht nur für die Vermittlung von Wissen, sondern auch als Raum für Austausch und Reflexion gesellschaftlicher Themen.

Welches Resümee zieht ihr nach dem Wiener Töchtertag?

Es war ein durchwegs schöner und spannender Tag. Für die Teilnehmerinnen stand der Spaß am Rätseln klar im Mittelpunkt. Das war durchgehend spürbar. Gleichzeitig haben wir auch miterlebt, wie Empowerment aussehen kann. Formate wie der Wiener Töchtertag sollen das Selbstvertrauen junger Frauen und Mädchen stärken und Stereotype abbauen. Am IHS wollten wir den Teilnehmerinnen ermöglichen, erleben zu können, dass Wissenschaftlerinnen nahbar sind und an spannenden, relevanten Themen arbeiten. Das kann die Vorstellung davon prägen, welche Wege ihnen selbst in Forschung und Wissenschaft offenstehen.


IHS Rätsel Rallye auf einen Blick

Im Rahmen des Töchtertags durchliefen die Teilnehmerinnen eine Rätselrallye mit zehn Stationen quer durch das Institut. Die Aufgaben bezogen sich auf konkrete Forschungsschwerpunkte und wurden gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen aus den einzelnen Forschungseinheiten entwickelt.

Neben selbstständig lösbaren Rätseln gab es auch Stationen, die den direkten Austausch mit Forscherinnen erforderten. Unter dem Motto „Knock on my door and talk to me“ konnten die Teilnehmerinnen Fragen stellen und Einblicke in den Forschungsalltag gewinnen.