Wie beeinflussen Mechanismen sozialer Medien, wer in digitalen öffentlichen Räumen sichtbar wird und unter welchen Bedingungen? Und was bedeutet das für soziale Gerechtigkeit? Diesen Fragen gehen die IHS-Juniorforscherin Irina Bănoiu und Laura Wiesböck, Leiterin der IHS-Nachwuchsforschungsgruppe Digitalization and Social Transformation, in ihrem neuen Artikel „The Governance of Queer Visibility in Platformized Public Spheres“ nach. Der Beitrag wurde in der Q1-Fachzeitschrift Media and Communication (Impact Factor: 3,1) veröffentlicht.
Ausgehend von der Annahme, dass soziale Medien zentrale Infrastrukturen zeitgenössischer Öffentlichkeiten darstellen, entwickeln die Autorinnen einen theoretischen Rahmen zur Untersuchung der ambivalenten Rolle von Plattformen, die queeren Ausdruck sowohl ermöglichen als auch einschränken. Der Artikel zeigt, wie Plattformmechanismen Sichtbarkeit und Teilhabe beeinflussen und damit die Bedingungen prägen, unter denen queere Stimmen Anerkennung finden, zugleich aber auch Ausgrenzung, Marginalisierung und Überwachung erfahren.
Mit dem Konzept der „plattformisierten (Un-)Sichtbarmachung“ (platformized (in)visibilization) untersuchen die IHS-Forscherinnen Ausdrucksräume in zeitgenössischen digitalen Kulturen und deren Auswirkungen auf politische Legitimität, soziale Gleichheit und wirtschaftliche Gerechtigkeit.
„Queere Lebensrealitäten stehen zunehmend unter Druck, während digitale Plattformen immer mehr Macht in unseren Gesellschaften gewinnen und sich mit rechtspopulistischen politischen Strömungen verschränken. Gleichzeitig sind soziale Medien für viele queere Menschen ein zentraler Weg geworden, um in der Öffentlichkeit Sichtbarkeit zu erlangen. Dadurch wächst auch der Einfluss dieser Plattformen auf den öffentlichen Diskurs. Die Wechselwirkungen dieser Entwicklungen zu untersuchen, ist heute wichtiger denn je“, sagt Irina Bănoiu.
Indem der Beitrag kritische Plattformforschung und Theorien sozialer Gerechtigkeit miteinander verbindet, untersuchen die Autorinnen, wie Plattformmechanismen bestimmen, wer sichtbar wird, unter welchen Voraussetzungen dies geschieht und welche politischen Konsequenzen daraus entstehen.
Die Publikation leistet einen Beitrag zu aktuellen Debatten über digitale Governance und Plattformmacht in modernen Gesellschaften. Für Irina Bănoiu stellt sie zudem einen wichtigen Meilenstein dar: Es handelt sich um die erste Veröffentlichung im Rahmen ihrer kumulativen Dissertation an der Universität Wien.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier.
