Im Auftrag des österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) analysiert die Studie von Hermann Kuschej und Mario Steiner migrantische Jugendliche der sogenannten NEET-Gruppe (Not in Education, Employment or Training). Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Migration nicht als einheitlicher oder einziger Risikofaktor für Bildungsabbrüche oder Arbeitsmarktferne verstanden werden kann. Vielmehr zeigt sich ein stark differenziertes Bild entlang von Migrationsgeneration, sozialer Lage und institutionellen Rahmenbedingungen.
Jugendliche der ersten Migrationsgeneration zeigen einen erhöhten NEET-Anteil, so gehörten 2022 27,3 Prozent von ihnen zu dieser Gruppe, befanden sich also weder in schulischen noch beruflicher Ausbildung. Ein besonderes Problem sind dabei die sogenannten Übergangsphasen, etwa zwischen Pflichtschule und weiterführender Ausbildung oder der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Diese Phasen werden häufig durch Orientierungsverlust, lange Wartezeiten sowie unklare Zuständigkeiten geprägt und führen deshalb zu Brüchen, die in migrantischen Biografien existenzieller erlebt werden, als bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.
Eine Rolle spielen dabei geringere soziale Netzwerke oder unsichere institutionelle Orientierung, die dazu führen, dass solche Anschlussprobleme schneller in dauerhafte Bildungsabbrüche oder den Verbleib im NEET-Status münden. Eine essentielle Rolle, so der Bericht, komm funktionalen Deutschkenntnissen zu. Mängel führen hier erschwertem schulischen Lernen, beeinträchtigen aber auch die berufliche Orientierung und den Zugang zu Ausbildungsplätzen. Eine nachhaltige Integrationspolitik braucht, so das Fazit der Autoren, weniger zusätzliche Maßnahmen, sondern eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Strukturen hin zu mehr Durchlässigkeit, Koordination und größere Sensibilität für die Lebenswelt migrantischer Jugendlicher.
