IHS Discussion Paper: Liquidität und Arbeitsmobilität

In einem neuen IHS Discussion Paper argumentieren Karim Bekhtiar und Rudolf Winter-Ebmer, dass finanzielle Abfertigungen für kürzlich entlassene Arbeitnehmer deren geografische und berufliche Mobilität deutlich erhöhen können und ihnen dabei helfen, besser passende Jobs zu finden.

In Zeiten zunehmenden Arbeitskräfte- und Fachkräftemangels ist die Arbeitskräftemobilität von hoher politischer Relevanz. Berufsbedingte Mobilität – ob aufgrund von Umsiedelungen oder langem Pendeln – ist jedoch mit hohen Vorlaufkosten verbunden. Das Paper „Mitigating Mobility Frictions: The Effect of Cash-on-Hand on Labor Mobility“ untersucht, ob finanzielle Abfertigungen („cash-on-hand“) als Katalysator wirken können, um diese Barrieren zu überwinden. 

Ökonomen debattieren seit langem über die Auswirkungen von Geldleistungen für Arbeitslose. Eine Theorie besagt, dass Barzahlungen die negativen Folgen eines Arbeitsplatzverlustes abfedern und somit die Dringlichkeit verringern könnten, einen neuen Job zu finden. Ein anderer Strang der Fachliteratur legt nahe, dass viele Arbeitnehmer „liquiditätsbeschränkt“ sind – sie wollen für die Arbeit mobil sein, können sich aber schlichtweg die Kaution für eine neue Wohnung, den Umzugswagen oder die anfänglichen Pendelkosten nicht leisten. 

Ergebnis: Liquidität gewinnt 

Anhand österreichischer Administrativdaten analysierten Bekhtiar und Winter-Ebmer eine spezielle gesetzlich definierte Schwelle: Im Rahmen der “Abfertigung alt” hatten Arbeitnehmer, die nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit entlassen wurden, Anspruch auf eine Abfindung in Höhe von zwei Monatsgehältern, während diejenigen mit weniger als 36 Monaten Betriebszugehörigkeit nichts erhielten. 

Durch den Vergleich von Arbeitnehmern knapp oberhalb und unterhalb dieser Drei-Jahres-Grenze fanden die Forscher heraus, dass der Erhalt der Abfindung die Wahrscheinlichkeit, einen Job in einer anderen Region anzunehmen oder eine längere Pendelstrecke auf sich zu nehmen, um 6 % bis 10 % erhöhte. Der Effekt war bei Gruppen am stärksten ausgeprägt, die normalerweise vor den höchsten Mobilitätsbarrieren stehen, wie etwa gering qualifizierte Arbeitskräfte und Frauen. „Die Unterstützung dieser Arbeitnehmer durch Abfertigungszahlungen hilft, diese Reibungsverluste zu verringern und stimuliert dadurch ihre berufliche Mobilität“, schlussfolgern die Autoren.