Zahl des Monats: 2026

Das neue Jahr hat für Österreich mit erfreulichen Signalen begonnen. Unsere Wirtschaft ist aus der Rezession erwacht und zeigt deutliche Anzeichen für einen breiten, wenn auch nur moderat verlaufenden Aufschwung.

Selbst in der schwer gebeutelten Industrie geht es allmählich wieder aufwärts. Dass die Teuerung zum Jahresstart deutlicher als prognostiziert nachgegeben hat, gibt Unternehmen und Haushalten berechtigten Anlass zu neuer Zuversicht.

Gleichzeitig haben jedoch die außen- und innenpolitischen Machtdemonstrationen der Trump-Administration drastisch vor Augen geführt, wie tiefgreifend die Fundamente Rechtsstaatlichkeit und globale Sicherheit – Lebensadern der international arbeitsteiligen Wirtschaft – ins Wanken geraten sind. Somit steht die wirtschaftliche Erholung bei uns auf tönernen Füßen. Europa muss jetzt endlich seine Hausaufgaben erledigen, um strategische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Resilienz zu gewinnen. Es kann sich den Luxus altbekannter struktureller Unzulänglichkeiten, durch den es seine nach wie vor erheblichen Ressourcen und Talente verschwendet, schlicht nicht mehr leisten. Darum muss 2026 ein Jahr der mutigen Reformen werden – auch in Österreich.

Was wir heuer auf nationaler Ebene konkret anpacken können: Erstens einen Doppelhaushalt verabschieden, der wohlstandsschädliche Ausgaben auch gegen Widerstände spürbar kürzt. Zweitens die Industriestrategie rasch mit Leben füllen. Die Politik muss dafür ausreichende Mittel zur Förderung wettbewerbsentscheidender Zukunftstechnologien bereitstellen – nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern ebenso für deren breite Anwendung in den Unternehmen. Und drittens in der Reformpartnerschaft die gordischen Knoten im föderalen System durchschlagen, um eine effiziente, zielorientierte Steuerung und Finanzierung von Gesundheit, Bildung und Energieversorgung zu erreichen.

Holger Bonin
IHS-Direktor


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