Diese Strategien umfassen Feeds, die endloses Scrollen ermöglichen („infinite scrolling“), die automatische Wiedergabe von Inhalten („autoplay“) sowie Werbeanzeigen oder Push-Benachrichtigungen, die durch künstlich hergestellte Dringlichkeit zum sofortigen Handeln auffordern. Trotz wachsenden Bewusstseins für diese Risiken, die insbesondere Kinder und Jugendliche nachteilig betreffen, sind regulatorische Maßnahmen nach wie vor begrenzt.
Das Forschungsprojekt ADDICT, durchgeführt von der IHS Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ unter der Leitung von Laura Wiesböck, untersucht, wie Social-Media-Plattformen anhand ihrer Suchtrisiken bewertet werden können. Ziel ist es, suchtfördernde Designpraktiken der bei Jugendlichen beliebtesten Plattformen zu analysieren und eine Taxonomie zu entwickeln, die Behörden eine evidenzbasierte Grundlage für Regulierung bietet. Dafür wurde eine systematische Literatur Review mit 270 wissenschaftlichen Quellen durchgeführt aus der neun Logiken und 29 Features identifiziert, die in einem Ampel-Taxonomiesystem mit 55 Fragen operationalisiert wurden.
Die durchgeführten Fallstudien zu den Social-Media-Plattformen TikTok und Instagram zeigen, dass die meisten Funktionen beider Plattformen als hochriskant zu beurteilen sind, was deren Fokus auf eine dauerhafte und zwanghafte Nutzer:innenbindung verdeutlicht. Konkret ergab die Analyse von TikTok neun Elemente mit niedrigem, zwei mit mittlerem und 44 mit hohem Risiko. Bei Instagram wurden zehn niedrig-, fünf mittel- und 40 hochriskante Elemente identifiziert.
Zur Präsentation der Ergebnisse fand am 10. Februar, dem Safer Internet Day, eine öffentliche Pressekonferenz in der Arbeiterkammer Wien statt. Die Projektergebnisse werden außerdem im März im Brüsseler Büro der Österreichischen Bundesarbeiterkammer von Laura Wiesböck vorgestellt, gemeinsam mit Vertreter:innen der European Consumer Organisation (BEUC), im Rahmen des Digital Fairness Act (DFA) – einer Initiative der Europäischen Kommission zur Stärkung des EU-Verbraucherschutzes im digitalen Zeitalter.
