Starker Anstieg bei Teilzeitarbeit in Wien

(WIEN, 03.04.2019) Im Auftrag der Stadt Wien hat das Institut für Höhere Studie die Entwicklung der Teilzeitarbeit in der Stadt untersucht. Zwischen 2004 und 2017 stellten die Autorinnen dabei einen Anstieg der Teilzeitbeschäftigung um 140.000 Personen (85%) fest.

Teilzeitarbeit ist in Österreich im internationalen Vergleich weit verbreitet. Im Jahr 2017 arbeiteten in Österreich über ein Drittel aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit; im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Anteil nur etwas über einem Viertel. Auch der Anstieg seit dem Jahr 2004 liegt über dem OECD-Durchschnitt. Die Teilzeitquote österreichischer Männern liegt zwar etwas unter dem OECD-Durchschnitt (8 % vs. 9 %), hat sich aber seit 2004 verdoppelt. Demgegenüber wuchs das Volumen der geleisteten Arbeitsstunden nur um rund 8 Prozent - der gesamte Zuwachs der Beschäftigung entfiel auf Teilzeitarbeit.

Ursachen

Die steigende Teilzeitquote hängt mit Strukturverschiebungen am Arbeitsmarkt zusammen: Mit der Beschäftigung im Dienstleistungssektor wächst auch die Zahl der Arbeitsplätze mit flexibleren Arbeitszeiten. Die höhere Bildungsbeteiligung junger Erwachsener führt zu einem zunehmend fließenden Einstieg ins Berufsleben. Der Anstieg der Teilzeitbeschäftigung ist jedoch nicht auf die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen zurückzuführen: im Jahr 1995 arbeiteten noch rund 47 % aller Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren Vollzeit, 2017 waren es nur noch rund 35 %. Dies scheint mit einer zunehmenden Präferenz für kürzere Arbeitszeiten zusammenzuhängen.  Teilzeitarbeit ist aber auch von der Arbeitsnachfrage getrieben: Hohe Arbeitslosenraten sind mit einem Anstieg der (insbesondere unfreiwilligen) Teilzeitarbeit verbunden. Für Firmen, die mit Nachfrageeinbrüchen konfrontiert sind, ist die temporäre Reduktion der geleisteten Arbeitsstunden eine Alternative zur Personalreduktion, insbesondere dann, wenn die Personalsuche und -ausbildung langwierig und teuer ist. Beinahe ein Viertel der teilzeitbeschäftigten Männer und 14 % der teilzeitbeschäftigten Frauen sind sogenannte unfreiwillige Teilzeitbeschäftigte – sie würden gerne Vollzeit arbeiten, finden jedoch keine Stelle mit dem entsprechenden Arbeitszeitausmaß.

Der wichtigste Grund für Teilzeitbeschäftigung bei Frauen sind Betreuungspflichten (37 %), während bei Männern die Absolvierung einer Ausbildung als Grund dominiert (24 %).

Der gesamte Bericht zum Download

Rückfragehinweis

Raphaela Hyee
E hyee(at)ihs.ac.at
T +43 1 59991 173

Gerlinde Titelbach
E titelbach(at)ihs.ac.at
T +43 1 59991 260

Sascha Harold
E mediarelations(at)ihs.ac.at
T +43 1 59991 118