Beim Nichtraucherschutz standhaft bleiben

Die Ankündigung der ÖVP, das Rauchverbot in jener Version einzuführen, die bereits 2015 geplant war, ist erfreulich.1 Das Gesetz 2015 war gut durchdacht und das Ergebnis von jahrelangen Verhandlungen. Wir nehmen die ÖVP beim Wort und gehen davon aus, dass sich daran, vielleicht bis auf kleinere Details, nichts ändern wird.

Wie zu erwarten haben Wirtschaftskammer und Trafikanten wieder angefangen Änderungen, Ausnahmen und auch Sonderzahlungen zu fordern. Das ist für eine Interessensvertretung wie die Wirtschaftskammer durchaus normal und daher verständlich. Jede Änderung erzeugt Widerstand, aber wir hoffen, dass die ÖVP standhaft bleibt. Das Nichtraucherschutzgesetz 2015 soll unsere Gesundheit schützen. Insbesondere zwei Forderungen der Wirtschaftskammer würden jedoch genau das verhindern: Ausnahmen für Nachtlokale und Ausnahmen für Shishas (=Wasserpfeifen). Ausnahmen für Nachtlokale würden wieder zu den altbekannten Problemen führen, dass Gäste und Mitarbeiter durch Passivrauch geschädigt werden. Bei Ausnahmen für Shishas gäbe es noch zusätzliche Probleme. Shishas werden im mediterranen Bereich überwiegend im Außenbereich konsumiert. Das hat einen guten Grund: auch sie erzeugen lungengängigen Feinstaub (PM2,5) und Kohlenmonoxid, das oftmals zu Vergiftungen führt. Außerdem sind Shishas, oftmals unter Gruppenzwang konsumiert, für viele Jugendliche der Einstieg in die Nikotinsucht. Da während einer Session gleich viel oder mehr Nikotin aufgenommen wird, als beim Zigarettenrauchen, besteht Suchtgefahr. So zeigte eine Studie aus den USA, dass junge Personen die Shishas rauchen, später 2,6-Mal häufiger zu Zigaretten greifen werden. Es geht also auch darum, die nächsten Generationen vor Abhängigkeit zu schützen. Manche Forderungen der Wirtschaftskammer sind nachvollziehbar und würden unsere Gesundheit nicht gefährden. Andere Forderungen wären jedoch weit mehr als nur „kleinere Details“, würden uns noch jahrzehntelang beschäftigen und sind deshalb abzulehnen.

UnterzeichnerInnen:

Dr. Florian Stigler, MPH, London School of Hygiene & Tropical Medicine
Mag. Waltraud Posch, VIVID – Fachstelle für Suchtprävention
Dr. Thomas Czypionka, Institut für Höhere Studien (IHS)

Kontakt: 
Dr. Florian Stigler, MPH
E-Mail: florian.stigler(at)medunigraz.at
Tel.: 0650-5432-432

Quellen: 

https://orf.at/stories/3127346/
https://kurier.at/chronik/oesterreich/rauchverbot-die-wuensche-der-gastronomen/400528489
https://kurier.at/chronik/wien/kohlenmonoxid-vergiftung-in-shisha-bar-vier-junge-menschen-im-spital/400452865
https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/FzR/FzR_Wasserpfeife.pdf
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25485959